focusbrick
Android · HardwareEin 3D-gedruckter NFC-Brick auf dem Schreibtisch. Antippen heißt Fokus an, ausgewählte Apps sind blockiert.
Das Handy wegzulegen ist keine einmalige Entscheidung, sondern eine, die man alle paar Minuten neu trifft. Eine Fokus-Einstellung im Betriebssystem hilft dagegen wenig: Sie sitzt im selben Gerät, das man gerade nicht benutzen will, und ist mit zwei Wischbewegungen wieder aus. Ein Schalter, der in der Hand liegt, wird umgelegt.
FocusBrick verlegt den Schalter auf den Schreibtisch. In einem 3D-gedruckten Gehäuse steckt ein NFC-Aufkleber; ihn anzutippen startet den Fokus, noch einmal antippen beendet ihn — die App muss dafür nicht geöffnet sein. Solange der Fokus läuft, schiebt sich eine Sperrmeldung nach vorn, sobald eine der ausgewählten Anwendungen geöffnet wird. Welche das sind, steht in Profilen: für die Arbeit ein anderes als für den Feierabend. Dazu eine Auswertung der Bildschirmzeiten und ein Wochenziel in Minuten.
Bemerkenswert ist, dass das eigentliche Bauteil kein Code ist. Das Gehäuse ist ein parametrisches Modell zum Selbstdrucken, und der Aufkleber wird durch zwei bis drei Millimeter Kunststoff hindurch gelesen. Aufstehen und den Baustein anfassen zu müssen ist nicht die Nebenwirkung der Lösung, sondern ihr Kern — entsprechend arm an Abkürzungen ist die App gebaut. Sie verlangt keine Netzwerkberechtigung, hält keine Daten außerhalb des Geräts und wehrt sich nicht dagegen, deinstalliert zu werden.
Entscheidungen
Kein Notausgang in der App
Geplant war ein Notausgang für den Fall, dass der Baustein zu Hause liegt: zehn Minuten Wartezeit, einmal in mehreren Wochen. Verworfen — die Umständlichkeit des physischen Gegenstands ist das Produkt, und jeder eingebaute Ausweg macht sie zur Verhandlungssache. Der praktische Notfall ist stattdessen durch eine Zeitgrenze gedeckt: Spätestens um drei Uhr nachts endet eine vergessene Sitzung von selbst.
Der Blocker liest keine Inhalte
Einzelne Webseiten zu sperren ginge nur, indem der Dienst die Adresszeile des Browsers mitliest. Die App verzichtet darauf und lässt die Berechtigung, Fensterinhalte zu lesen, ausdrücklich abgeschaltet — sie erkennt nur, welche Anwendung gerade vorn ist. Installierte Web-Apps sind trotzdem sperrbar, weil das Betriebssystem sie als eigene Anwendungen führt; für gewöhnliche Browser-Tabs bleibt nur, den Browser selbst auf die Liste zu setzen.
Bildschirmzeit vom System statt eigener Aufzeichnung
Die Statistik nimmt die Nutzungszeiten, die Android ohnehin führt, statt selbst mitzuschreiben. Das kostet Reichweite: Der Ereignisstrom reicht nur gut eine Woche zurück, weiter zurück gibt es die Daten schlicht nicht. Selbst mitzuschreiben hieße eine eigene Tabelle samt Migration — für eine Historie, die bei null beginnt und jedes Mal ein Loch bekommt, wenn die App eine Woche lang nicht geöffnet wird.
Der Sperrbildschirm wurde wieder leerer
Auf dem Sperrbildschirm standen Serie, Rekord und der Rest des Tagesziels — als Motivation gedacht, gebaut und ausprobiert. Im Gebrauch war es ein kleines Dashboard an genau der Stelle, an der man das Handy weglegen soll. Geblieben sind die Sperrmeldung und die Dauer der laufenden Sitzung.